„Ist das bewundernswerte Resilienz? Oder Getriebensein? Wo verläuft der schmale Grat zwischen Mut und Leichtsinn?"
Ich bin als Flüchtlingskind aus Breslau geboren, in einem Internat aufgewachsen, in Schweden verliebt gewesen, mit einem gestohlenen Panzer zum Baggersee gefahren, habe in Holland eine Razzia erlebt, meine erste Frau an Krebs verloren, einen neuen Namen und eine neue Staatsbürgerschaft angenommen, Jura studiert, wurde jahrelang von Interpol gesucht, bin beim Bitcoin-Hack 2024 um mein Erspartes gekommen und lebe heute als digitaler Nomade auf den kleinen Inseln der Welt — wo ich über 200 Bücher in acht Sprachen geschrieben habe.
Jedes dieser Leben hätte eigentlich für einen Menschen gereicht. Mir waren sie zu wenig.
Nach dem Krieg flieht meine Familie aus Breslau. Mein Vater, Gärtner aus Überzeugung, baut sich in Bayern etwas Neues auf. Seine Erwartung an mich ist klar: „Du sollst doch auch mal Gärtner werden." Diese Worte klingen wie eine Drohung. Im Internat in Donauwörth begegne ich dem Watschenexpress — und Missionaren aus Papua-Neuguinea, die mir Wörter ihrer Sprache beibringen. Der erste Funke für das Ferne.
Kochlehre, erste Liebe Agneta in Schweden, Schmuggelgeschäfte auf den Fähren, ein fast tödlicher Autounfall in Småland. Zurück in Deutschland die Bundeswehr — und der Versuch, ihr um jeden Preis zu entkommen. Einmal klaue ich mit meinem Kameraden Jonas einen Panzer und fahre zum Baggersee, weil das Wetter so schön ist. Am Ende täusche ich einen Selbstmordversuch vor, um als dienstuntauglich entlassen zu werden. Es klappt.
Hochzeit mit Erika. Gärtnerei übernehmen — auf den letzten Wunsch meines Vaters. Ich mache sie zu etwas Eigenem: biologische Schädlingsbekämpfung mit Nützlingen, lange bevor das in Mode kam. Ich erfinde den Lindauer Blumentag, das erste eigene Marketing meines Lebens. Dann der Absturz in die Unternehmensberatung, die harte Schule des Verkaufens, und die Erfindung der Quattrobox, eines Benzinspargeräts. Viele Ideen, viele Crashs. Und dann die Razzia der holländischen Steuerfahndung.
Erika erkrankt an Rachenkrebs. Wir versuchen alles, auch die unkonventionelle Behandlung bei Professor Hackethal. Sie stirbt zu Hause. Der tiefste Einschnitt meines Lebens. Danach heirate ich Alice in Las Vegas, nehme ihren Nachnamen an — van der Sel — und werde Holländer. Ein bewusster Neubeginn, so radikal wie möglich. Es folgt eine Weltreise durch Mexiko, Südafrika, Thailand, Australien, Fiji — der Versuch, der Vergangenheit so weit davonzulaufen, wie die Welt reicht.
Später im Leben studiere ich Jura, werde von Interpol gesucht, verliere beim Bitcoin-Hack 2024 meine Ersparnisse — und fange an zu schreiben. Nicht ein Buch. Nicht zehn. Über 200, in acht Sprachen. Jeden dritten Tag ein neues. Irgendwo zwischen Mittelmeer, Atlantik und Südsee, immer auf einer anderen Insel. Warum? Ich glaube, weil ich endlich das Werkzeug gefunden habe, mit dem alles, was in den anderen vier Leben passiert ist, irgendwo hin kann.
Mir ist klar, dass ich mir als Kind nicht hätte vorstellen können, einmal Autor zu werden. Im Internat habe ich Angst gehabt, das Falsche zu sagen. In Schweden habe ich Angst gehabt, nirgendwo hinzugehören. In Holland habe ich Angst gehabt, dass die Vergangenheit mich einholt. Die Angst ist geblieben — aber irgendwann habe ich gemerkt: wenn man sie aufschreibt, wird sie leiser.
Meine Bücher sind keine Bestseller, und sie versuchen es auch nicht. Sie sind Notizen eines Mannes, der sich durch fünf Leben gearbeitet hat und am Ende gemerkt hat, dass das Schreiben vielleicht das sechste sein könnte. Wer eines liest und etwas davon mitnehmen kann — einen Gedanken, ein Lachen, einen Moment der Erkennung — für den habe ich geschrieben.
Jedes meiner Bücher trägt den Namen, den mir Alice geschenkt hat: Edgar van der Sel. Das ist kein Pseudonym. Es ist der Beweis, dass man sich immer wieder neu erfinden kann.
Über 200 Bücher klingen nach viel. Sie werden handlicher, wenn man sie nach den Serien ordnet, zu denen sie gehören.
Humoristische Lebenshilfe in acht Sprachen. Meine populärste Serie.
Sprachpaare für alle, die zwei Kulturen gleichzeitig lieben wollen.
Was man eigentlich wissen sollte — in 120 Seiten.
Wirtschaft und Bitcoin für Menschen, die die Welt verstehen wollen.
Alle drei Tage ein neues Buch zu den Themen, die die Welt gerade bewegen.
Meine eigene Lebensgeschichte, neu gefasst in mehreren Bänden.